A Girl’s Girl Guide to Cinema: 10 Filme, die Frauen ins Zentrum rücken
Inhaltsverzeichnis
- 1. Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles (1975, Chantal Akerman)
- 2. Women Talking (2022, Sarah Polley)
- 3. Divines (2016, Houda Benyamina)
- 4. Woman of the Hour (2023, Anna Kendrick)
- 5. Lady Bird (2017, Greta Gerwig)
- 6. Mustang (2015, Deniz Gamze Ergüven)
- 7. Booksmart (2019, Olivia Wilde)
- 8. Portrait of a Lady on Fire (2019, Céline Sciamma)
- 9. Turning Red (2022, Domee Shi)
- 10. Birds of Prey and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn (2020, Cathy Yan)
Noch immer sind viele Bereiche der Filmwelt von Männern geprägt. Das betrifft nicht nur die Figuren vor der Kamera, sondern auch die Menschen dahinter: Regie, Drehbuch, Kamera, Produktion und viele andere Bereiche, in denen Frauen nach wie vor weniger sichtbar sind. Umso wichtiger ist es, Filme von Frauen hervorzuheben. Dabei bedeutet eine weibliche Perspektive eben nicht nur, dass Filme von Frauen handelt. Sie bedeutet auch, dass Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen oder Kamerafrauen hinter den Geschichten stehen und ihre eigene Sicht auf Figuren, Beziehungen, Körper oder gesellschaftliche Erwartungen mitbringen. Das ist mein kleiner aber feiner Girl’s Girl Guide to Cinema! In diesem Beitrag stelle ich dir 10 Filme vor, die Frauen ins Zentrum rücken. Sie alle zeigen auf ihre eigene Art, was passieren kann, wenn Frauen nicht nur Teil einer Geschichte sind, sondern selbst mitbestimmen, wie sie erzählt wird.
Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles (1975, Chantal Akerman)

Jeanne Dielman, 23 quai du Commerce, 1080 Bruxelles begleitet drei Tage im Leben einer verwitweten Mutter in Brüssel. Sie kocht, putzt, erledigt Besorgungen, kümmert sich um ihren Sohn und empfängt regelmäßig Freier, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Chantal Akerman erzählt diese Geschichte fast ausschließlich über Routinen. Und zwar auf eine für die Zuschauerschaft besonders schonungslose Weise.
Gerade dadurch richtet Jeanne Dielman den Blick auf etwas, das im Kino lange erstaunlich unsichtbar war. Hausarbeit, Care-Arbeit und die Organisation des Alltags werden nicht als Nebensache behandelt, sondern stehen im Zentrum. Der Film interessiert sich für Tätigkeiten, die gesellschaftlich oft als selbstverständlich gelten und die traditionell vor allem Frauen zugeschrieben wurden. Indem Akerman ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenkt, verleiht sie ihnen auch Bedeutung.
Jeanne wird nicht über ihre Gefühle oder Träume definiert wird. Ihre Identität scheint fast vollständig aus ihren Aufgaben zu bestehen. Je deutlicher die sorgfältig eingeübten Abläufe ins Wanken geraten, desto stärker entsteht der Eindruck, dass hier nicht nur eine einzelne Person unter Druck steht, sondern ein ganzes Rollenbild. Jeanne Dielman wirkt deshalb bis heute erstaunlich modern. Nicht, weil der Film einfache Antworten liefert, sondern weil er sichtbar macht, wie viel gesellschaftliche Erwartung in alltäglichen Routinen stecken kann.
Women Talking (2022, Sarah Polley)

Women Talking (Die Aussprache auf dt.) spielt in einer abgeschotteten Gemeinschaft. Nachdem mehrere Frauen erkennen, dass sie über Jahre Opfer systematischer Gewalt geworden sind, müssen sie eine Entscheidung treffen. Sollen sie bleiben, fliehen oder sich wehren? Aus dieser Ausgangslage entwickelt Sarah Polley kein Gerichtsdrama und keinen Rachefilm, sondern einen Film, der seinem Titel alle Ehre macht. Die Frauen reden miteinander.
In diesem Film werden den Betroffenen die Deutungshoheit über ihre eigenen Erfahrungen gegeben. Die Gewalt selbst steht nicht im Mittelpunkt. Stattdessen geht es um die Frage, wie Menschen nach Gewalt weiterleben und welche Zukunft sie sich vorstellen können. Der Film interessiert sich dabei weniger für Täter als für die Perspektiven der Frauen.
Gleichzeitig zeigt Women Talking, dass Solidarität nicht automatisch bedeutet, immer derselben Meinung zu sein. Die Figuren diskutieren über Religion, Vergebung, Wut, Verantwortung und darüber, was Gerechtigkeit überhaupt bedeuten kann. Der Film präsentiert keine einheitliche Position, sondern macht deutlich, dass es viele unterschiedliche Wege geben kann, mit Unterdrückung umzugehen. Er erlaubt seinen weiblichen Figuren, komplex, widersprüchlich und politisch zu sein. Ihre Stimmen sind hier nicht Ergänzung zur eigentlichen Handlung. Sie sind die Handlung.
Divines (2016, Houda Benyamina)

Divines erzählt die Geschichte der Jugendlichen Dounia, die in der sozial benachteiligten Pariser Banlieue lebt und um jeden Preis der Armut entkommen möchte. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Maimouna gerät sie zunehmend in kriminelle Strukturen und versucht, sich in einer Welt durchzusetzen, die ihr kaum Perspektiven bietet. Houda Benyamina verbindet Coming of Age, Sozialdrama und Kriminalfilm zu einem energiegeladenen und gleichzeitig zutiefst tragischen Film.
Dounia ist eine Figur, die sich vielen Erwartungen verweigert. Sie ist ehrgeizig, impulsiv, laut und kompromisslos. Der Film macht daraus weder eine Heldengeschichte noch eine moralische Warnung. Stattdessen zeigt er eine junge Frau, die nach Selbstbestimmung sucht, weil ihr gesellschaftlich kaum andere Wege offenstehen.
Gerade das macht Divines für mich so interessant. Der Film erzählt keine klassische Emanzipationsgeschichte, in der am Ende automatisch alles besser wird. Er zeigt vielmehr, dass Geschlecht nie losgelöst von Herkunft, Armut und sozialer Ungleichheit betrachtet werden kann. Freiheit ist deutlich komplizierter, wenn die eigenen Möglichkeiten von Anfang an begrenzt sind. Genauso wichtig wie Dounias Entwicklung ist außerdem die Beziehung zu Maimouna. Ihre Freundschaft bildet das emotionale Zentrum des Films. In einer Umgebung, die von Unsicherheit und Konkurrenz geprägt ist, wird ihre Verbundenheit zu etwas Beständigem. Divines erzählt damit nicht nur von weiblicher Wut, sondern auch von weiblicher Solidarität.
Woman of the Hour (2023, Anna Kendrick)

Woman of the Hour (The Datin Game Killer auf dt.) basiert auf der wahren Geschichte des Serienmörders Rodney Alcala, der 1978 als Kandidat in der Dating Show The Dating Game auftrat. Anna Kendrick erzählt daraus jedoch keinen klassischen True Crime Film. Statt den Täter ins Zentrum zu rücken, interessiert sie sich vor allem für die Frauen, die ihm begegnen, und für die gesellschaftlichen Strukturen, die seine Gewalt lange unsichtbar machten.
Besonders eindrücklich zeigt der Film, wie häufig Frauen dazu erzogen werden, höflich zu bleiben, Warnsignale herunterzuspielen oder ihrem eigenen Unbehagen nicht zu vertrauen. Bedrohung entsteht hier nicht nur durch eine einzelne Person, sondern auch durch ein Umfeld, das weibliche Unsicherheit oft als Überreaktion abtut und männliches Verhalten verharmlost. Dadurch wird Woman of the Hour weniger zu einem Film über einen Serienmörder als zu einem Film über Wahrnehmung. Wer wird ernst genommen? Wem wird geglaubt? Und warum fällt es so vielen Frauen schwer, ihre eigenen Instinkte über gesellschaftliche Erwartungen zu stellen?
Gerade diese Perspektive hebt den Film für mich von vielen anderen True Crime Produktionen ab. Die Gewalt wird nicht zum Spektakel und der Täter nicht zur faszinierenden Ausnahmefigur. Stattdessen richtet der Film den Blick auf die Menschen, die sonst so oft an den Rand der Erzählung gedrängt werden. Dementsprechend kannst du dir vorstellen, wie sehr mich der deutsche Titel hier auf die Nerven geht. Punkt wieder mal komplett verfehlt.
Lady Bird (2017, Greta Gerwig)

Christine, die sich selbst lieber Lady Bird nennt, steckt mitten in ihrem letzten Highschooljahr. Sie träumt davon, ihre kalifornische Heimatstadt hinter sich zu lassen und an der Ostküste zu studieren. Während sie versucht, ihren Platz zwischen Freundschaften, erster Liebe und Zukunftsplänen zu finden, gerät sie immer wieder mit ihrer Mutter aneinander. Greta Gerwig erzählt daraus einen Coming of Age Film, der sich erstaunlich unspektakulär anfühlt und gerade deshalb so authentisch wirkt.
Der Film stellt weibliche Beziehungen in den Mittelpunkt. Die prägendste Beziehung ist nicht die zu einem Jungen, sondern die zwischen Mutter und Tochter. Beide lieben sich, beide verletzen sich, beide haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle auszudrücken. Der Film macht dabei keine von ihnen zur Heldin oder zur Gegenspielerin. Stattdessen zeigt er, wie kompliziert Nähe sein kann und wie sehr Frauen von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt werden. Ebenso schön erzählt Lady Bird von weiblicher Freundschaft. Konkurrenz oder Eifersucht spielen zwar eine Rolle, definieren die Figuren aber nie. Viel wichtiger ist, wie Freundschaften entstehen, zerbrechen und wieder zusammenfinden.
Lady Bird darf widersprüchlich, unsicher und manchmal auch anstrengend sein. Der Film interessiert sich für sie als vollständigen Menschen und nicht als Projektionsfläche oder Liebesinteresse. Genau darin liegt für mich seine größte Stärke.
Mustang (2015, Deniz Gamze Ergüven)

Mustang erzählt die Geschichte von fünf Schwestern, die in einem kleinen Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste leben. Nachdem ein harmloser Nachmittag am Strand als unsittlich ausgelegt wird, verändert sich ihr Leben schlagartig. Das Haus der Familie wird zunehmend zum Gefängnis, Kontakte zur Außenwelt werden eingeschränkt und eine Hochzeit nach der anderen soll die Mädchen auf den aus Sicht der Erwachsenen „richtigen“ Lebensweg bringen.
Der Film zeigt eindrücklich, wie schnell Kontrolle über den weiblichen Körper zur Kontrolle über das gesamte Leben werden kann. Dabei geht es nicht nur um einzelne Verbote, sondern um ein System, das Mädchen Schritt für Schritt jede Form von Selbstbestimmung nimmt. Besonders stark finde ich, dass Mustang diese Entwicklung nicht abstrakt erzählt, sondern durch viele kleine Situationen erfahrbar macht. Jede neue Regel wirkt zunächst unscheinbar, bis schließlich kaum noch Freiheit übrig bleibt.
Trotz dieses ernsten Themas ist Mustang kein hoffnungsloser Film. Im Mittelpunkt stehen immer wieder die enge Verbindung der Schwestern und ihre kleinen Momente des Widerstands. Sie lachen, streiten, spielen und suchen nach Möglichkeiten, sich Freiräume zurückzuerobern. Gerade diese Lebensfreude macht umso deutlicher, was ihnen genommen werden soll.
Deniz Gamze Ergüven erzählt dabei nie über eine Kultur oder Religion im Allgemeinen. Im Kern geht es um patriarchale Kontrolle und um die Frage, wer über das Leben junger Frauen bestimmen darf. Dadurch wirkt Mustang weit über seinen konkreten Schauplatz hinaus universell.
Booksmart (2019, Olivia Wilde)

Zurück zu einer deutlich leichteren Kost! Molly und Amy haben ihre gesamte Schulzeit damit verbracht, perfekte Schülerinnen zu sein. Am Abend vor ihrem Highschoolabschluss stellen sie jedoch fest, dass ihre Mitschüler trotz Partys und Exzessen ebenfalls an renommierten Universitäten angenommen wurden. Kurzerhand beschließen die beiden, in einer einzigen Nacht all das nachzuholen, was sie in vier Jahren verpasst haben. Olivia Wilde macht daraus eine temporeiche Komödie, die klassische Teenagerfilm-Motive überraschend frisch erzählt.
Booksmart fühlt sich vor allem deshalb so modern an, weil der Film seine beiden Hauptfiguren nie auf romantische Geschichten reduziert. Natürlich geht es auch um Liebe, Unsicherheiten und erste Erfahrungen, aber genauso sehr um Ehrgeiz, Freundschaft und die Angst vor dem Erwachsenwerden. Molly und Amy dürfen klug, ehrgeizig und gleichzeitig ziemlich chaotisch sein, ohne dass der Film daraus einen Widerspruch macht.
Besonders gelungen finde ich außerdem, wie selbstverständlich der Film mit Diversität umgeht. Unterschiedliche Lebensentwürfe, Sexualitäten und Persönlichkeiten werden nicht als Besonderheit inszeniert, sondern gehören einfach zur Welt der Figuren. Dadurch wirkt Booksmart angenehm unverkrampft und verzichtet auf viele Klischees, die das Genre lange geprägt haben.
Der feministische Aspekt liegt für mich vor allem darin, dass junge Frauen hier dieselbe erzählerische Freiheit bekommen wie ihre männlichen Kollegen in klassischen Coming of Age Komödien. Sie dürfen Fehler machen, peinlich sein, übertreiben und dabei trotzdem ernst genommen werden. Das klingt selbstverständlich, war im Genre aber lange alles andere als üblich.
Portrait of a Lady on Fire (2019, Céline Sciamma)

Im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts erhält die Malerin Marianne den Auftrag, heimlich ein Porträt der jungen Héloïse anzufertigen, die kurz vor einer arrangierten Ehe steht. Da Héloïse sich weigert, Modell zu sitzen, beobachtet Marianne sie zunächst heimlich, um das Gemälde aus dem Gedächtnis zu malen. Aus dieser ungewöhnlichen Ausgangssituation entwickelt Céline Sciamma eine Liebesgeschichte, die vor allem vom gegenseitigen Sehen und Verstehen erzählt.
Der Film macht den Blick selbst zum Thema. Über Jahrhunderte wurden Frauen in der Kunst meist von Männern dargestellt. Portrait of a Lady on Fire (Porträt einer jungen Frau in Flammen auf dt.) dreht diese Perspektive um. Marianne betrachtet Héloïse nicht als Objekt, sondern als Gegenüber. Mit der Zeit wird aus dem einseitigen Beobachten ein gegenseitiges Wahrnehmen, bei dem beide Frauen die Sicht aufeinander mitgestalten.
Der Film verzichtet dabei fast vollständig auf große Gesten oder dramatische Wendungen. Stattdessen entstehen Nähe und Spannung durch Gespräche, Blicke und kleine Veränderungen in der Beziehung der beiden Figuren. Gerade diese Ruhe macht die Liebesgeschichte so intensiv und gibt beiden Frauen Raum, sich als eigenständige Persönlichkeiten zu entfalten.
Für mich ist Portrait of a Lady on Fire deshalb weit mehr als eine Romanze. Céline Sciamma erzählt von Kunst, Erinnerung und dem Wunsch, einen Menschen wirklich zu sehen. Dass diese Geschichte konsequent aus weiblicher Perspektive erzählt wird, macht sie zu einem der eindrucksvollsten feministischen Filme der letzten Jahre.
Turning Red (2022, Domee Shi)

Turning Red (rot auf dt.) erzählt die Geschichte der 13-jährigen Mei Lee, die zwischen den Erwartungen ihrer Familie und ihrem eigenen Wunsch nach Selbstbestimmung steht. Als sie entdeckt, dass sie sich bei starken Emotionen in einen riesigen roten Panda verwandelt, wird diese Verwandlung zu einer Metapher für die Veränderungen der Pubertät. Gleichzeitig versucht Mei, den Ansprüchen ihrer Mutter gerecht zu werden, während sie langsam herausfindet, wer sie selbst eigentlich sein möchte.
Was den Film besonders interessant macht, ist sein Umgang mit Themen, die in Kinderfilmen lange eher vermieden wurden. Pubertät, erste Schwärmereien, Stimmungsschwankungen und die Veränderung des eigenen Körpers werden hier nicht als etwas Peinliches oder Problematisches dargestellt, sondern als normaler Teil des Erwachsenwerdens. Der rote Panda steht dabei nicht für etwas, das Mei loswerden muss. Er ist ein Teil von ihr, den sie lernen muss anzunehmen.
Mädchenfiguren in Filmen für jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer wurden lange häufig über Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit oder Anpassung definiert. Turning Red zeigt dagegen ein Mädchen, das laut, chaotisch, emotional und manchmal unangenehm sein darf. Mei muss nicht weniger werden, um akzeptiert zu werden. Sie muss lernen, mit all ihren Seiten zu leben.
Ich finde außerdem spannend, dass sich an Medien für Kinder oft besonders gut erkennen lässt, welche Vorstellungen eine Gesellschaft von Geschlecht und Erwachsenwerden hat. Was wir Kindern erzählen, prägt schließlich mit, welche Gefühle, Körperbilder und Verhaltensweisen sie als normal empfinden. Turning Red geht hier mit gutem Beispiel voran, weil der Film jungen Mädchen vermittelt, dass Veränderungen nicht etwas sind, wofür sie sich schämen müssen, sondern ein natürlicher Teil ihrer Entwicklung. Gerade weil der Film sich an Kinder richtet, ist diese Botschaft so relevant.
Birds of Prey and the Fantabulous Emancipation of One Harley Quinn (2020, Cathy Yan)

Nach ihrer Trennung vom Joker versucht Harley Quinn, sich ein eigenes Leben in Gotham City aufzubauen. Doch ohne den Schutz ihres ehemaligen Partners verliert sie plötzlich ihren Status und wird zur Zielscheibe verschiedener Männer, die sie unterschätzt haben. Gemeinsam mit anderen Frauen wie Dinah Lance, Helena Bertinelli und Renee Montoya stellt sie sich dem Gangster Roman Sionis entgegen. Cathy Yan verbindet dabei Action, schwarzen Humor und Comic-Ästhetik zu einer Geschichte über Selbstbestimmung und die Suche nach der eigenen Identität.
Birds of Prey erzählt nicht nur Harley Quinns Geschichte weiter, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage, wem diese Figur gehört. Über Jahre haben verschiedene Darstellungen und Teile des Publikums Harley stark sexualisiert und über ihre Beziehung zum Joker definiert. Gerade die Rolle als „verrückte, attraktive Freundin des Bösewichts“ reduzierte sie auf bestimmte Eigenschaften. Sie wurde nach und nach zu einer Figur, die vor allem durch den Blick anderer existiert. Der Film setzt genau dort an und gibt ihr diese Kontrolle zurück. Sie bleibt chaotisch, egoistisch und moralisch fragwürdig. Aber sie handelt aus eigener Motivation.
Auch die anderen Frauenfiguren tragen diese Idee weiter. Sie werden nicht zu Rivalinnen um männliche Aufmerksamkeit, sondern finden gerade durch ihre Unterschiede zueinander Stärke. Der Film erzählt weibliche Selbstbestimmung nicht als Perfektion, sondern als das Recht, alles sein zu dürfen.
Für mich liegt darin die eigentliche Aussage von Birds of Prey: Es geht weniger darum, dass Frauen plötzlich genauso brutal sein dürfen wie Männer. Es geht darum, dass Frauen ihre eigene Geschichte zurückfordern dürfen, nachdem andere sie lange erzählt haben. Harley Quinns „Emancipation“ bedeutet deshalb nicht nur die Trennung vom Joker, sondern auch eine Befreiung von all den Blicken und Vorstellungen, die sie zuvor definiert haben.
Welche Filme wären in deinem Girl’s Girl Guide to Cinema?
Das könnte dich auch interessieren
Summerween: Meine Filmtipps für einen spooky Sommer
6 August 2026
Netflix Neuheiten – November 2023
1 November 2023