10 schaurige Serien für den Herbst
Inhaltsverzeichnis
Sobald der Oktober näher rückt, verspüre ich Lust auf düstere, stimmungsvolle Geschichten. Die Art Geschichten, bei denen einem ein kleiner Schauer über den Rücken läuft.
In diesem Blogbeitrag stelle ich dir 10 schaurige Serien für den Herbst vor, die jede Menge Nervenkitzel bieten. Wenn du also noch auf der Suche nach Serien bist, bei denen es ruhig mal etwas düsterer zugehen darf, findest du hier bestimmt die eine oder andere passende Empfehlung für gemütliche Abende auf der Couch.
Der Untergang des Hauses Usher

Der Untergang des Hauses Usher verbindet Erzählungen von Edgar Allan Poe mit einem modernen Familiendrama. Im Mittelpunkt steht die Familie Usher, die durch ihr Pharmaunternehmen ein riesiges Vermögen angehäuft hat. Als die Kinder des Familienoberhaupts Roderick Usher nach und nach unter mysteriösen Umständen sterben, verflechtet sich die Geschichte seiner Familie immer enger mit Poes Themen.
Mike Flanagan macht daraus jedoch keinen klassischen Poe-Verfilmung. Vielmehr nutzt er seine Geschichten als Grundlage für eine völlig neue Handlung. Namen, Figuren, Motive und Todesfälle spielen immer wieder auf Poes Werk an. Wer die Originalgeschichten kennt, kann so zahlreiche kleine Details entdecken. Gleichzeitig funktioniert die Serie aber auch ohne dieses Vorwissen hervorragend.
Die Serie überzeugt außerdem mit einem wunderbar makabren Humor. Neben den wirklich düsteren Momenten gibt es immer wieder Szenen, die so übertrieben sind, dass man einfach lachen muss. Genau diese Mischung aus Poe, Familiendrama, schwarzem Humor und ziemlich drastischem Horror macht Der Untergang des Hauses Usher für mich zu einer der besten Serien der letzten Jahre.
Buffy – The Vampire Slayer

Auf den ersten Blick wirkt Buffy wie eine klassische Teenager-Horrorserie: Eine Highschool-Schülerin kämpft gegen Vampire und Dämonen und versucht gleichzeitig, ihren Alltag so gut wie möglich zu meistern. Hinter dieser recht einfachen Prämisse verbirgt sich jedoch eine der einflussreichsten Genreserien ihrer Zeit. Die Monster in Buffy dienen oft als Metaphern für sehr reale Ängste, die mit dem Erwachsenwerden verbunden sind. Eine toxische Beziehung kann sich buchstäblich in ein Monster verwandeln, die Angst vor dem Erwachsenwerden bekommt plötzlich Krallen, und eine schwierige Trennung kann in einem regelrechten Abstieg in die Hölle enden.
Gleichzeitig bleibt Buffy selbst eine interessante Protagonistin, da die Serie Stärke nicht mit Unverwundbarkeit gleichsetzt. Sie kann die körperlich stärkste Person im Raum sein und dennoch Angst empfinden, Fehler machen oder emotional völlig überfordert sein. Die Serie hat einen großen Einfluss darauf gehabt, wie weibliche Heldinnen innerhalb des Genres agieren können. Buffy muss ihre Weiblichkeit nicht ablegen, um stark zu sein. Sie darf gleichzeitig verletzlich und mächtig, albern und ernst. Genau diese Widersprüche sind es, die sie und die anderen Figuren der Serie bis heute so spannend machen. Perfekt für eine ordentliche Portion Nostalgie!
Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities

Guillermo del Toro’s Cabinet of Curiosities ist eine Art kleine Sammlung moderner Horrorgeschichten. Die Netflix-Anthologie besteht aus acht eigenständigen Episoden, die jeweils unterschiedliche Bereiche des Horrors beleuchten. Body-Horror, Monster, übernatürliche Wesen und menschliche Abgründe stehen neben Geschichten im Vordergrund, bei denen die Atmosphäre mehr im Vordergrund steht als der Schockeffekt.
Auch hier liegt der Reiz der Anthologie in ihrer Unvorhersehbarkeit. Die eine Folge mag brillant gelingen, während die nächste einen weitaus weniger beeindruckenden Eindruck hinterlässt. Andererseits hat jede Geschichte ihren eigenen Stil und ihre eigene Bildsprache. Guillermo del Toro führt nicht bei jeder Folge selbst Regie, fungiert aber als Kurator und kreativer Kopf hinter der Serie. Das passt besonders gut zum Konzept des „Kabinetts der Kuriositäten“. Jede Folge wirkt wie ein weiteres seltsames Objekt, das man aus einer Schublade zieht und genauer unter die Lupe nimmt.
Vor allem das Produktionsdesign und das Kreaturendesign machen die Serie zu einem visuellen Genuss. Viele der Geschichten wirken wie moderne Neuinterpretationen klassischer Horrorgeschichten.
What We Do in the Shadows

Ich sag wie es ist: Vampire wurden in Horrorfilmen schon so oft romantisiert, dass es auch mal gut tut, ihnen dabei zuzusehen, wie sie sich über die Müllentsorgung streiten. What We Do in the Shadows basiert auf dem gleichnamigen Film von Taika Waititi und Jemaine Clement und verwandelt klassische Vampir-Mythen in eine Mockumentary über eine ziemlich dysfunktionale Wohngemeinschaft. Die Vampire leben schon seit Jahrhunderten zusammen, verfügen über übernatürliche Kräfte und haben dennoch überraschend wenig Ahnung davon, wie sie ihr ewiges Leben sinnvoll gestalten sollen.
Die Serie funktioniert vor allem deshalb so gut, weil sie die Klischees und Regelns des Vampir-Genres konsequent auf den Alltag überträgt. Sonnenlicht, Menschenopfer, Hypnose und die Verwandlung in Fledermäuse gibt es nach wie vor. Nur ist das größte Problem der Vampire oft nicht ein mächtiger Feind, sondern die Tatsache, dass der Abwasch in der WG nicht gemacht wird und die Kolleg*innen im Büro Energiesauger sind. Kann man gut nachvollziehen…
What We Do in the Shadows legt es nicht drauf an, Angst einzujagen. Viel mehr dekonstruiert die Serie das Genre, indem sie die Figuren aus ihren romantischen oder bedrohlichen Kontexten herauslöst und sie stattdessen wie ganz normale, eher nervige Menschen behandelt. Sie ist also besonders gut geeignet für Herbstabende mit Vampir-Flair, an denen man aber keine Lust auf Albträume hat.
From

From ist eine Serie, bei der man am besten so wenig wie möglich über die Handlung weiß. Menschen geraten in eine seltsame kleine Stadt und können sie nicht mehr verlassen. Egal, welchen Weg sie einschlagen, irgendwann führt der Weg sie wieder dorthin zurück. Mehr sollte man nicht verraten.
Die Serie verbindet Mystery, Horror und Survival und baut ihre Erzählung vor allem auf Fragen auf. Wo liegt diese Stadt? Warum können die Menschen nicht entkommen? Was hat es mit dem Wald auf sich? Und wer hat eigentlich die Kontrolle über das Ganze? Die Serie konfrontiert ihre Zuschauer*innen immer wieder mit neuen Rätseln. Das geht natürlich auch mit ein wenig Frustration einher, da sich die Serie mit der Auflösung der Rätsel durchaus Zeit lässt. Gleichzeitig ist es aber genau diese Ungewissheit, die einen großen Teil der Atmosphäre ausmacht.
Die Figuren können überleben, wenn sie bestimmte Regeln befolgen. Das einzige Problem ist, dass sie erst einmal selbst herausfinden müssen, welche Regeln es überhaupt gibt. Der Horror entsteht daher durch das Gefühl, die eigene Situation nicht im Griff zu haben.
Midnight Mass

Auf einer abgelegenen Insel verändert sich das Leben der Bewohner grundlegend, als ein neuer Pfarrer in die kleine Gemeinde kommt. Schon bald darauf beginnen sich scheinbare Wunder zu ereignen. Kranke Menschen werden geheilt und die Kirche wird deshalb von Woche zu Woche voller.
Midnight Mass setzt weniger auf zahlreiche Schreckmomente, um Horror zu erzeugen. Mike Flanagan interessiert sich hier vielmehr dafür, was Menschen dazu bewegt, an etwas zu glauben. Die Serie beschäftigt sich mit Religion, Schuld, Vergebung und Fanatismus und wirft dabei eine unbequeme Frage auf: Was passiert, wenn Menschen verzweifelt darauf hoffen, etwas als Wunder deuten zu können?
Gerade deshalb spielt der religiöse Kontext eine so wichtige Rolle. Die Serie zeigt nicht einfach nur eine Gruppe von Fanatikern, sondern beleuchtet die emotionalen Bedürfnisse, die ihrem Glauben zugrunde liegen. Die Hoffnung auf Heilung, die Angst vor dem Tod und der Wunsch nach Vergebung machen die Figuren zugänglich, auch wenn ihre Entscheidungen zunehmend beunruhigend werden.
Midnight Mass nimmt sich viel Zeit. Die Serie besteht größtenteils aus langen Gesprächen und gibt ihren Figuren Raum, ihre Gedanken auszuführen. Die Serie ist ruhig, wird aber erstaunlich düster.
Ratched

Ratched hebt sich etwas von dieser Liste ab, da es sich bei der Serie nicht um eine traditionelle übernatürliche Horrorgeschichte handelt. Stattdessen steht Mildred Ratched im Mittelpunkt, die später als Krankenschwester in Einer flog über das Kuckucksnest berühmt wird. Die Serie spielt im Jahr 1947 und begleitet Mildred bei ihrem Antritt ihrer neuen Stelle in einer psychiatrischen Klinik in Kalifornien. Schnell wird klar, dass sie dort ihre eigenen Pläne verfolgt und es ihr besonders schwerfällt zu akzeptieren, wenn andere die Kontrolle über eine Situation haben.
Ryan Murphy verwandelt das Ganze in einen spannenden Psychothriller. Dabei wirkt der Kontrast zwischen der perfekten Fassade und dem zunehmend beunruhigenden Inhalt besonders faszinierend. Manchmal wirkt Ratched fast zu schön, um eine Geschichte über Machtmissbrauch, Gewalt und psychologische Kontrolle zu erzählen.
Die Serie eignet sich daher besonders für alle, die ihren Herbst gerne auf eine etwas extravagante und psychologisch beunruhigende Art und Weise verbringen möchten.
Penny Dreadful

Wenn eine Serie das Konzept des Gothic Horror verstanden und perfekt umgesetzt hat, dann ist es Penny Dreadful. Das viktorianische London bildet die Kulisse für eine Geschichte, in der zahlreiche Figuren aus der klassischen Horrorliteratur aufeinandertreffen. Frankenstein, Dorian Gray und Dracula treten neben Figuren auf, die eigens für die Serie geschaffen wurden.
Die Serie bringt seine literarischen Vorbilder nicht bloß zusammen. Sie beschäftigt sich mit der Frage, was die Figuren miteinander verbindet. Fast alle von ihnen tragen eine Form von Schuld, Trauma, Einsamkeit oder sozialer Ausgrenzung in sich. Die Monster repräsentieren dabei die Widersprüche und Begierden der Menschheit.
Die Atmosphäre der Serie könnte für einen düsteren, regnerischen Herbstabend kaum passender sein. Viktorianische Häuser, dunkle Gassen, Kerzenlicht, Friedhöfe, Nebel und jede Menge Blut. Die Serie nimmt ihre literarischen Einflüsse ernst und verbindet sie mit einer modernen Auseinandersetzung mit Themen wie Sexualität, Geschlecht, Einsamkeit und Selbstbestimmung.
American Horror Story

Kaum eine andere Serie bietet so viel Abwechslung für einen Horrorserien-Herbst wie American Horror Story. Durch das Anthologie-Format kann jede Staffel eine völlig neue Geschichte und Horror-Subgenre behandeln. Geisterhäuser, Hexen, Serienmörder, Freakshows, Sekten, Vampire und die Apokalypse sind nur einige Elemente dessen, was American Horror Story mittlerweile zu bieten hat. Genau diese Vielfalt macht die Serie für mich so interessant.
Auch gesellschaftliche Themen finden immer wieder ihren Platz im Mittelpunkt des Geschehens. AHS: Coven beschäftigt sich beispielsweise mit Macht, weiblicher Selbstbestimmung und Rivalität, während AHS: Asylum psychische Erkrankungen, Religion und institutionelle Gewalt miteinander verknüpft. Andere Staffeln konzentrieren sich stärker auf klassische Horror-Motive oder den reinen Schockeffekt.
Für einen Binge-Watching-Abend im Herbst bietet American Horror Story daher einen ziemlich praktischen Vorteil: Man kann sich genau die Art von Horror aussuchen, auf die man gerade Lust hat. Und wenn eine Staffel einem nicht zusagt, wartet schon die nächste völlig anderen Geschichte.
The Sinner

The Sinner ist die realistischste Serie auf dieser Liste. Diese Anthologie-Serie erzählt in jeder Staffel die Geschichte eines neuen Kriminalfalls. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage, wer das Verbrechen begangen hat. Weitaus wichtiger ist die Frage nach dem „Warum“. Im Verlauf der Ermittlungen tauchen die Zuschauer*innen immer tiefer in die Vergangenheit der Figuren ein. Erinnerungen, verdrängte Erlebnisse und Traumata verändern nach und nach unsere Sichtweise auf das ursprüngliche Verbrechen. Was zunächst wie eine geradlinige Geschichte erscheint, wird so immer komplexer.
Zusammengehalten werden die einzelnen Fälle durch den Ermittler Harry Ambrose, der in jeder Staffel erneut auf einen Fall stößt, der ihn nicht so schnell loslässt. Während er die Geschichten der Verdächtigen und Opfer immer weiter auseinander nimmt, erfahren wir auch mehr über ihn selbst. Seine Vergangenheit, seine schwierigen Beziehungen und seine eigenen psychischen Abgründe machen dabei immer deutlicher, dass Ambrose keineswegs der unbeteiligte Beobachter ist, als der er zunächst erscheint. Die Fälle berühren bei ihm oft ganz persönliche Punkte und zwingen ihn, sich auch mit den eigenen Dämonen auseinanderzusetzen.
Damit interpretiert The Sinner das klassische Krimidrama neu. Anstatt einfach nur Hinweise zu sammeln und nach einem Täter zu suchen, untersucht die Serie die psychologischen Mechanismen hinter einem Verbrechen. Dabei spielt das Gedächtnis eine besonders wichtige Rolle, da die eigene Vergangenheit nicht immer so zuverlässig erscheint, wie man gerne glauben möchte.
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