Fall of Porcupine: Kleines Game mit großen Themen
Inhaltsverzeichnis
Ich liebe kleine Indie-Spiele, die ihren ganz eigenen Stil haben. Wenn sie dann auch noch so hübsch aussehen wie Fall of Porcupine, wandern sie erst recht schnell in meinen Steam-Warenkorb, auch ohne viel Vorwissen über die Handlung. Rückblickend war das hier genau das Richtige, denn Fall of Porcupine erlebt man meiner Meinung nach am besten mit so wenig Vorwissen wie möglich. Wenn du trotzdem gerne etwas mehr darüber erfahren möchtest und wissen willst, ob das Spiel etwas für dich sein könnte, bist du hier genau richtig. In diesem Blogbeitrag verrate ich dir, was dich erwartet, ohne mehr von der Geschichte preiszugeben, als du wirklich wissen musst.
Worum geht es in Fall of Porcupine?
Fall of Porcupine wurde vom deutschen Indie-Studio Critical Rabbit entwickelt und von Assemble Entertainment veröffentlicht. Die Vollversion des Adventure-Spiels erschien am 15. Juni 2023 für Nintendo Switch, PlayStation 5, PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows und Xbox Series X/S.
In Fall of Porcupine schlüpfst du in die Rolle von Finley, einer jungen Taube, die gerade ihren ersten Job als Arzt im St. Ursula Hospital in der Kleinstadt Porcupine antritt. Finley ist neu in der Stadt und muss sich nicht nur an seinen neuen Arbeitsplatz, sondern auch an seine Kolleg*innen und das Dorfleben gewöhnen. Du gehst zur Arbeit, behandelst Patient*innen, unterhältst dich mit deinen Kolleg*innen und kannst nach Feierabend die Stadt erkunden. Dabei lernst du nach und nach die Einwohner*innen von Porcupine kennen und erfährst mehr über ihre persönlichen Geschichten.
Gleichzeitig entfaltet sich langsam eine übergeordnete Handlung. Im Krankenhaus scheinen manche Dinge nicht ganz so zu sein, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Je länger Finley dort arbeitet, desto mehr Fragen tauchen auf. Das Spiel lässt sich dabei bewusst Zeit, damit sich die Geschichte nach und nach entfalten kann.

Wie spielt sich Fall of Porcupine?
Das Gameplay besteht aus einer Mischung aus Erkundung, Dialogen und verschiedenen Minispielen. Man bewegt sich durch die Stadt und das Krankenhaus, spricht mit anderen Charakteren und kann mit zahlreichen Objekten in der Umgebung interagieren. Es gibt viele kleine Details zu entdecken, die einen großen Teil des Charmes des Spiels ausmachen.
Das Behandeln von Patient*innen im Krankenhaus macht dabei einen großen Teil des Spielablaufs aus. Anstatt sich einfach nur durch einen Dialog zu klicken, muss man bei verschiedenen Untersuchungen selbst Hand anlegen. Hier wurden zum Beispiel eine ganze Reihe von Minispielen integriert, die unterschiedliche Aufgaben aus dem medizinischen Alltag simulieren.
Bei einer Behandlung muss man beispielsweise mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt halten, was sich irgendwann ein bisschen so anfühlt, als würde man Twister auf der eigenen Tastatur spielen. Bei der Verabreichung von Medikamenten muss man hingegen darauf achten, bestimmte Zielwerte mit möglichst wenigen Medikamenten zu erreichen. Andere Untersuchungen funktionieren wie kleine Logikrätsel. Das sorgt für ein wenig Abwechslung im Spiel.

Warum die Atmosphäre von Fall of Porcupine so gut funktioniert
Das Spiel ist unglaublich ruhig. Man spaziert durch die kleine Stadt, unterhält sich mit den Einwohner*innen, lauscht dem Soundtrack und taucht in die einzelnen Geschichten ein. Die niedliche, handgezeichnete Optik trägt ebenfalls stark zur Atmosphäre des Spiels bei. Porcupine sieht im Herbst mit seinen warmen Farben und den wirbelnden Blättern wunderschön aus. Später verändert sich die Umgebung mit den Jahreszeiten, und auch Finleys Kleidung passt sich dem an.
Dazu kommt noch der großartige Soundtrack. Ruhige Akustik-Musik begleitet dich durch einen Großteil des Spiels und unterstreicht die Atmosphäre zusätzlich. In ruhigen Momenten wirkt das Spiel dadurch fast meditativ. Wenn die Geschichte eine dunklere Wendung nimmt, ändert sich die Hintergrundmusik entsprechend.


Ist Fall of Porcupine ein Cozy Game?
Fall of Porcupine sieht unfassbar süß aus. Doch plötzlich sitzt man da und denkt über Krankheit, Trauer oder die psychische Belastung nach, der Menschen im Gesundheitswesen ausgesetzt sind. Das Spiel beschränkt sich dabei aber nicht nur auf das Gesundheitswesen. Immer wieder greift es auch die persönlichen Kämpfe der Charaktere auf. Manche Geschichten sind bittersüß, andere einfach nur traurig, und einige von ihnen beschäftigen sich mit psychischer Gesundheit, Verlust, Schuldgefühlen, Armut oder der Angst, den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden.
Wenn man Cozy Games in erster Linie mit einer gemütlichen Atmosphäre, niedlichen Charakteren und einer kleinen Welt assoziiert, dann passt Fall of Porcupine sicherlich in diese Beschreibung. Gleichzeitig würde ich jedoch davor warnen, sich von diesen gemütlichen Aspekten des Spiels täuschen zu lassen. Schließlich beschäftigt sich das Spiel mit Tod, Verlust, Trauer und vielen anderen schweren Themen.
Für mich ist das Spiel daher eher ein atmosphärisches, storygetriebenes Adventure mit Cosy-Elementen. Es ist ein Spiel, das man gemütlich mit einer Tasse Tee auf der Couch spielen kann. Jedoch hinterlässt es nicht unbedingt ein Wohlgefühl. Ich habe beim Durchspielen vielleicht sogar die eine oder andere Träne vergossen. Vor allem das Ende hat mich kalt erwischt.

Was mir an Fall of Porcupine nicht so gut gefallen hat
So sehr mir die ruhige Atmosphäre des Spiels auch gefällt, gibt es natürlich ein paar Dinge, die mich beim Spielen gestört haben. Einige der Minispiele können tatsächlich ziemlich frustrierend sein. Manchmal sind sie überraschend schwierig, und manchmal ist nicht sofort klar, was das Spiel eigentlich von einem will. Vor allem beim Abhören von Patient*innen, musste ich erst einmal herausfinden, welche Tasten ich überhaupt drücken muss. In anderen Minispielen sind die Anweisungen viel intuitiver. Hier hätte ich mir an manchen Stellen einfach eine etwas klarere Anleitung gewünscht.
Das langsame Tempo, das eigentlich wunderbar zur Atmosphäre des Spiels passt, wird manchmal doch etwas zu langatmig. Es gibt einige längere Strecken, auf denen man im Grunde nur von A nach B läuft. Wenn man diese Strecken mehrmals zurücklegen muss, kann es nach einer Weile etwas langweilig werden. Das Gameplay wird nach einer Weile etwas repetitiv.
Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist das Speichersystem. Falls of Porcupine bietet keine Möglichkeit, manuell zu speichern. Das Spiel speichert zwar automatisch, aber ich konnte nicht immer genau erkennen, wann ein Speicherpunkt ausgelöst wurde und wodurch. Deshalb habe ich in der Regel einen ganzen Spieltag in einem Durchgang durchgespielt. So war ich mir zumindest sicher, dass mein Fortschritt gespeichert wurde. Bei der durchschnittlichen Spielzeit von 8-12 Stunden ist das aber meiner Meinung nach wirklich nicht dramatisch. Diese kleine Schwächen fallen für mich jedoch kaum ins Gewicht.

Mein Fazit: Lohnt sich Fall of Porcupine?
Die kurze Antwort lautet: Ja, wenn man sich auf die Themen des Spiels einlassen kann und möchte. Allerdings würde ich immer darauf warten, dass das Spiel im Sale ist. Bei Steam ist es beispielsweise regelmäßig für 3,99 € erhältlich.
Fall of Porcupine ist großartig geschrieben, hat viele tolle Charaktere und erzählt zahlreiche kleine Geschichten, die einen nach und nach in ihren Bann ziehen. Die Geschichte steht ganz klar im Vordergrund. Man sollte also kein Spiel mit besonders komplexem Gameplay erwarten. Allerdings solltest du die Triggerwarnungen des Spiels wirklich ernst nehmen, da es sehr viele schwierige Themen anspricht.
Manchmal tut es einfach gut, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, anstatt sie zu verdrängen. Das kann sogar unglaublich befreiend sein. In solchen Momenten schaue ich mir gerne traurige Filme an, höre melancholische Musik oder spiele solche Spiele. Allerdings funktioniert das nicht immer. Wenn du gerade selbst mit schwierigen Situationen zu kämpfen hast oder wenn dir bestimmte Themen im Spiel zu nahe gehen, würde ich dir davon abraten, Fall of Porcupine alleine zu spielen.
Was ich an dem Spiel besonders schätze, ist die Auseinandersetzung mit systemischen Problemen im Gesundheitswesen. Das Spiel zeigt auf eindrucksvolle Weise, was passiert, wenn ein ganzes System unter Druck steht, die Menschen darin aber dennoch jeden Tag ihr Bestes geben. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass Spiele solche Themen aufgreifen, da sie dadurch die Aufmerksamkeit von Menschen wecken können, die sonst nicht unbedingt mit diesen Themen in Berührung kämen.
Gleichzeitig erzählt Fall of Porcupine auch einige wirklich schöne Geschichten über Freundschaft und Gemeinschaft. Es zeigt Menschen, die füreinander da sind, und gewährt einen Einblick in den Alltag derjenigen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Diese Menschen leisten jeden Tag Unglaubliches und verdienen meiner Meinung nach viel mehr Anerkennung.
Man merkt wirklich, dass unglaublich viel Liebe in dieses kleine Indie-Spiel geflossen ist. Nicht alles funktioniert perfekt, und besonders was das Gameplay angeht, hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Abwechslung gewünscht. Aber die Geschichte, die Atmosphäre und vor allem die Themen, mit denen sich das Spiel auseinandersetzt, sind mir noch lange nach dem Durchspielen im Gedächtnis geblieben.
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